Phantasie – Deine effektivste Geheimwaffe

Der unendliche Schatz

Jetzt wird es richtig interessant: Du kannst Dein Selbstbewusstsein stärken, ohne Dich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. (Aber leg es nicht darauf an, Bewegung ist grundsätzlich gut und hilfreich)

Mehr noch, Du kannst ein ganzes Feuerwerk von Gedanken und Gefühlen freisetzen, das so weite Welle schlägt, dass jeder Mensch dem Du begegnest es erkennt und staunen muss. Und es kostet Dich keinen Cent. Alles, was Du dafür tun musst, ist, den Funken in Deinem Kopf zu entzünden.

Lass mich konkreter werden: Jeder Mensch hat eine Innenwelt aus Gedanken, Gefühlen, Werten, Überzeugungen, Hoffnungen, Ängsten usw., die ihn prägt, lenkt und unweigerlich nach außen dringt. Dort ist sie mehr oder weniger sichtbar.

Was in Dir vorgeht, drückt sich in allem aus, das Du in die physische, äußere Welt hineingibst und was Du verkörperst: Deine Gesichtsausdrücke, Worte, Handlungen, Kleidung, Körperhaltung und gesamte Ausstrahlung sind Wege, wie Deine Innerlichkeit kommuniziert.

Nichts anderes als diese innerlichen Gedanken, Überzeugungen und Gefühle ist Dein Selbstbewusstsein. Dein Selbstbewusstsein formt Dein Wesen, Dein Dasein und Dein Wirken so tiefgehend, dass jeder es sehen kann. Auf genau diese Art gerät es wirksam ans Tageslicht. Deshalb spielt es überhaupt eine Rolle, was Du von Dir hältst: Du trägst dein Selbstverständnis sozusagen vor Dir her.

Weil deine inneren Vorgänge so bedeutsam sind und sich so stark in der Welt manifestieren, gebührt ihnen besondere Aufmerksamkeit. Mit der gleichen Sorgfalt, mit der wir Schutzkleidung bei gefährlichen Arbeiten tragen, uns bei einer Grippe schonen, einem Kind den Umgang mit einem Messer gut erklären oder unser Auto zur Wartung geben, müssen wir unsere Phantasie bewahren. Denn sie ist ein unheimlich mächtiges Werkzeug mit Gefahrenpotenzial.

Oft wird aber „unsichtbaren“ Vorgängen in der Psyche wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Man erwartet, dass sie einfach so zu funktionieren habe. (Sicher wird dies auch dadurch verstärkt, dass die eigene Psyche sich ja selbst distanziert wahrnehmen und verstehen muss. Verlässliche Introspektion ist schon eine kleine Meisterleistung.)

So wird auch das eigene (niedrige) Selbstbewusstsein häufig als fester, unveränderlicher Bezugspunkt gesehen. Es fällt manchem Menschen mit geringem Selbstbewusstsein schwer, sich vorzustellen, er oder sie würde stolz und ohne Sorge über sich selbst leben können.

So selbstverständlich der Sauerstoff zum atmen ist, so selbstverständlich nehmen wir oft unsere innere Ausgeglichenheit. Ebenso wie beim Sauerstoff bemerken wir erst, dass etwas nicht stimmt, wenn er fehlt.

Schüchternheit, Selbstzweifel, Ängste, Schuldgefühle, Scham, Leere und Wut über die eigene vermeintliche Unzulänglichkeit können uns zu Boden reißen.

Doch wenn alle äußeren Anzeichen auf eine Niederlage hindeuten, ist die Phantasie der Phönix aus der Asche.

Statue eines Phönix aus der Asche
Der Feuervogel ist ein altes Symbol. Sieht unspektakulär aus findest Du? Bemühe Deine Phantasie!

Das ewige Feuer

Das wunderbare ist, dass die Phantasie auch dann noch funktioniert, wenn es ansonsten ganz finster aussieht. Sie ist das Feuerzeug das nie leer wird und das Du immer bei Dir hast. Ein gebrochenes Bein und ein Monat Krankenhausaufenthalt – Deine Phantasie ist bei Dir und lässt Dich planen. Den Job verloren und Du weißt nicht weiter – halb so schlimm, wenn Du Hoffnung hast. Du bist gelangweilt und nichts scheint zu passieren – Kreativität ist gefragt.

Sie kann Dich auch durch helle Momente begleiten: Du überlegst wohin mit dem Weihnachtsgeld – hier sind 10.000 Ideen. Dein Date schaut Dich mit funkelnden Augen an – Dir fällt etwas ein…
Oder wenn Du begreifst, dass Scham- und Schuldgefühle nur im Kopf existieren und alles von Dir objektiv in Ordnung ist!

Alles, was in Deinem Kopf vorgeht, ist ein Werkzeug. Setzt Du es gut ein, hilft es Dir, Probleme zu lösen. Manchmal ist eine Problemlösung nicht im eigentlichen Sinne möglich, etwa bei einer unheilbaren Krankheit. Dann kann aber ein angepasster innerer Umgang damit helfen, die verbleibende Zeit und Lebensqualität größtmöglich zu genießen. Der Stressforscher Lazarus & Folkmann (1984) nannten diese beiden Bewältigungsstrategien instrumentelles Coping (engl. to cope  = „bewältigen“) und emotionales Coping. Sie haben beide ihre Berechtigung für entsprechende Herausforderungen im Leben.

Als ein sehr eindrückliches Beispiel finde ich Shaolin-Mönche, die durch Meditation, Fokussierung ihrer Gedanken und andere geistige Techniken unglaubliche körperliche Leistungen vollbringen können. Sie holen dies aus der Tiefe ihrer inneren Welt, benötigen nichts außer einem Moment der Stille (und vorheriger Übung), um ungeahnte Kräfte und Widerstandsfähigkeit mobilisieren zu können. Oft finden die dadurch auch Ruhe in einer lauten Welt.

Auch anderen Menschen gelingt es, aus der Tiefe ihrer Innerlichkeit zu schöpfen. Schriftsteller, Forscher, Erfinder und Genies haben die Welt verändert, indem sie ihre einzigartige innere Welt erkundet haben und Reichtum darin fanden. Du musst Dich nicht mit ihnen vergleichen.

Junge Frau hält eine Wunderkerze
Die Kleinen Dinge des Lebens sind magisch: Was machst Du aus ihnen?

Lass Dich statt dessen inspirieren von anderen Menschen, die die Stille beherrschen. Deine Aufgabe ist die gleiche wie ihre: Die Hand, die man ausgeteilt bekommen hat bestmöglich zu spielen. Deine entfesselte Phantasie führt genau dazu. Sie kann Dir helfen, Zweifel, Sorgen und Ängste zu besiegen. Wenn Du Deine gedanklichen Bahnen veränderst, kannst Du alte Ketten zerbrechen. Mache Dir Deine Phantasie für ein starkes Selbstbewusstsein zu Nutze.

Hier sind einige Anregungen für eine blühende Phantasie:

  • Füttere Deine Phantasie mit Gesprächen, Musik, Büchern, Filmen und Erfahrungen, die sie reichhaltiger und klüger machen. Vermeide zerstörerische und schwächende Meinungen und alles, was Dich sinnlos herabsetzt.
  • Selbstbezogene Gedanken tendieren manchmal dazu, in Mustern zu fließen. Achte einmal darauf, welche Muster Du in Deinen Gedanken über Dich selbst erkennen kannst. Sind diese gütig und aufbauend, oder etwa strafend und demütigend?
  • Deine Wortwahl und Ausdrucksweise ist ebenso von bestimmten Mustern geprägt. Achte auch auf diese Sprachmuster und frage Freunde danach, wie sie Dich darin einschätzen.
  • Betrachte einmal, was Dein Geischtsausdruck im Spiegel verrät
  • Was wäre Deine ideale Wohnsituation? Wo wäre das: auf einer Insel, in den Bergen, in der Großstadt…?
  • Welche Arbeit würdest Du ausführen wollen, wenn Du reich wärest? Welche Anteile daran reizen Dich?
  • Setz Dich für zwei Minuten in einen stillen Raum und lass alles, was in Dir vorgeht, herausstürmen. Versuche dabei, diese inneren, mentalen Ereignisse nur als solche wahrzunehmen. Sie sind nicht die Wahrheit, nicht die Realität und verpflichten Dich zu nichts. Sie sind nur Ereignisse, die an Dir vorüberziehen, wenn Du sie loslässt.
  • Wiederhole all diese gedanklichen Übungen im Alltag und zu besonderen Momenten. Die Übung lässt Deine Eindrücke und Effekte Tag für Tag stärker werden
  • Deine Gedanken sind der Anfang Deiner Worte und Handlungen. Führe sie in guten Bahnen und denke wohlwollend und produktiv über Dich selbst.
  • Du bist Der einzige Mensch und der einzige Geist, der immer bei Dir ist. Du bist der Ursprung und das Ziel Deiner Phantasie.

Dies unterstreicht die Bedeutung, die Deine inneren Vorgänge für Dein Leben haben. Ganz besonders gilt dies für Dein Selbstbewusstsein, das im höchsten Maße von den Gedanken und dem Verhalten geformt wird, das Du aus Deiner Phantasie hervorbringst. Sei Dir über diese mächtige Waffe im Klaren!

 

Literatur
Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. Springer publishing company.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.