Perfektionismus schadet Dir (nicht länger)

Vorschau:

Perfektionismus bezeichnet das übermäßige Streben nach Leistung, das meist in Angst und Selbstzweifeln endet, wenn man diese „Perfektion“ nicht erreicht. So setzt er Deinem Selbstbewusstsein schwer zu. Deshalb stelle ich hier vor, wie Du zu einer konstruktiveren Grundhaltung gelangen kannst und gerade ohne Perfektionismus noch besser wirst in allem, was Du Dir vorgenommen hast!

Du kannst auch direkt zu meinen praktischen Tipps zur Lösungsfokussierung oder für mehr Gelassenheit und Produktivität am Ende des Artikels springen.

Wenn Du noch mehr willst und Anfangen Dir schwerfällt, lies Dir auf jeden Fall auch meinen Artikel zur Prokrastination(langes Aufschieben) durch!

Perfektionismus ist der Wolf im Schafspelz und Du begegnest ihm früh

Hier ist DAS Rezept zum Unglücklich-sein: Mache immer alles richtig! Dabei wirkt es auf den ersten Blick so, als wäre Perfektion etwas erstrebenswertes: Wollen wir nicht alle etwas Gutes zur Welt beitragen und dies so exzellent wie möglich? Wettbewerb ist doch auch förderlich für die Qualität eines Produktes…?

Alles richtig – ich bin der Erste der das unterschreibt! Aber auf den zweiten Blick wird klar, dass diese Ziele, so erstrebenswert sie seinen, unter dem Banner des Perfektionismus geführt zum Albtraum werden.

Denn Perfektionismus ist eine einschüchternde Arbeitshaltung, die Schaffenskraft und Motivation im Keim erstickt. Meist beginnt die tragische Wende in der Kindheit:

Zunächst steckt in ihrem Kern ein gutgemeinter Rat: „Gib Dir Mühe und sei vernünftig, dann wirst Du stark und schlau und Gutes fällt Dir in die Hände.“ Versionen dieser Aussage hat fast jeder von seinen Eltern oder Lehrern beigebracht bekommen, mit der Absicht, uns auf einen erfolgversprechenden Kurs zu setzen. Da will ich gar nicht widersprechen.

Leuchtturm am Meer
Orientiere Deinen Kurs am Leuchtturm, gut zu sein. Aber versuche keinen „Hausbesuch“, sonst erleidest Du Schiffbruch!

Doch dieser gutgemeinte Ratschlag verselbständigt sich oft in den Wirren der kindlichen Suche nach Liebe und Anerkennung. Eltern und Bezugspersonen können einem Kind nicht immer mit der gewünschten Aufmerksamkeit begegnen. So stolpert jedes Kind bald in eine Situation, in der es sich fragt, ob es „nicht gut genug war“: Gab es wegen mir Streit? Haben sich die Eltern getrennt, weil ich zu viele Probleme mache?

Das Selbstwertgefühl bekommt in solchen Momenten des Selbstzweifels einen immer tiefer gehenden Kratzer. Der Glaube entwickelt sich, dass man erst besser werden muss, um geliebt zu werden.

Manchmal sagen wichtige Menschen einem sogar deutlich, dass Fehler inakzeptabel seien und man immer perfekt sein müsse. Bald versteht das Kind sich nur noch als Objekt, das „richtig funktionieren muss“. Mehr noch, es glaubt sein Überleben hängt davon ab, Leistung zu erbringen, damit es gemocht wird (Liebe und Zuneigung sind für ein Kind genauso wichtig wie Nahrung).

Der fatale Fokus auf das „Schlechte“

Wenn dieser Perfektionismus überbetont wird, verinnerlicht das Kind ihn als Glaubenssatz. Es wird zum definierenden Modus, der mit zunehmendem Alter sich zu bestätigen scheint. Die Welt ist fordernd und belohnt zuallererst Leistung und wertvolle Beiträge.

Ist die Person ersteinmal von der  „Wahrheit“ eines perfektionistischen Glaubenssatzes übermannt, entfaltet der einstige gute Ratschlags-Charakter seine dunkle Seite: Die Angst, im Falle des Scheiterns alle Unterstützung entzogen zu bekommen baut einen unheimlichen Druck auf. „Ich werden doch nur geachtet, wenn ich perfekt bin…“

Es wird für den Perfektionisten zunehmend schwerer, aktiv zu sein, weil fast alles was er tut hinter den (eigenen) Erwartungen zurückbleibt. Bald ist sein Auge geschärft, überall und jederzeit vermeintliche Fehler und Unvollkommenheiten zu erspähen.

Das überkritische Feststellen, dass etwas nicht 100% perfekt ist, ist sehr einfach. Schließlich stimmt das nahezu in jedem Falle. Ein kleiner Makel haftet jeder Sache und jeder Person an. Das ist ja nur menschlich und gehört zu unserem Leben.

Aber das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen: Die Botschaft des gutgemeinten Ansporns ist mutiert und steht monströs über allem: „Nur perfekt zählt!“.

Wohin er auch schaut, sieht der Perfektionist Mangel und verspürt den Hang, zu kritisieren und sich an Problemen festzubeißen.

Das zerstört Selbstbewusstsein und Lebensfreude.

Unvollkommenheit kann sehr schön sein

Wir müssen oft genug erkennen, dass manche Dinge wertvoller scheinen als andere. Das allgemeine Verständnis dessen, was  gut sei, erzeugt eine relativ einheitliche Nachfrage. Das sieht man bei allem, was käuflich ist.

Die meisten Menschen bevorzugen beispielsweise eine große Wohnung in einem angesagten oder sicheren Viertel, moderne Kleidung und das schlanke Schönheitsideal usw.

Der Perfektionismus verleitet nun zum Glauben, dieser Maßstab sei der einzige.

Was tun, wenn man in einer Bruchbude wohnt, die Kleidung 5 Jahre alt ist und man selbst nicht in Bestform?

Es gibt zwei Wege:

  1. Man steigt auf, indem man Zeit, Arbeit, Geld usw. investiert – z.B. um sich eine schönere Wohnung, modernere Kleidung zu kaufen.
  2. Man steigt aus und sucht sich ein anderes Ideal als das populäre! Ein altes Haus hat definitiv seinen Charme. Und in alternativen Kreisen gehen Deine Klamotten als Vintage durch und sind sogar in!

Was die körperliche Bestform angeht? Ich persönlich finde, die kann und sollte jeder erreichen, denn es ist gesund und lebt sich angenehm!

Finde Deinen eigenen Kompromiss aus 1. und 2. !

Eine reizvolle Mischung aus konventionellem Erfolg und individueller Imperfektion ist der heimliche Sieger der Herzen.

Menschen lieben es, wenn sie für ihre menschlichen Imperfektheit nicht verurteilt werden. Wenn Du Deine eigene Individualität selbstbewusst zeigst, wirkt das sehr anziehend auf andere.

Du demonstrierst mit deiner Abweichung vom kalten Ideal des Perfektionismus, dass Du mehr bist als eine Maschine, die nur wertvoll ist, wenn sie funktioniert. Du kannst auch kreativ und rebellisch sein und bist nicht permanent auf die Zustimmung anderer angewiesen.

Zugleich weißt Du, dass eine solche Unabhängigkeit nur haltbar ist, wenn Du Dich auch am konventionellen Erfolg orientierst und hin und wieder glänzt. Die Mischung aus Aufstieg und Ausstieg macht’s.

Zwei Waldeswege trennten sich und ich –
ich ging und wählt‘ den stilleren für mich –
und das hat all mein Leben umgedreht.

– Robert Frost (Gedichtauszug: The Road not Taken)

(Dieses sehr schöne Gedicht, hier im Original ganz zu lesen, unterstreicht die Einzigartigkeit jeder Entscheidung. Die meisten Entscheidungen können nicht perfekt sein, weil sie eine andere Möglichkeit ausschließen)

Effektivität als Landkarte

Die populäre Jagt nach“dem Besten“ ist nicht falsch, das muss ich hier festhalten: Jeder will die beste Partnerschaft, die beste Wohnung, den besten Zahnarzt, Handwerker, das beste Auto, Bestnoten usw. Viel von unserem Lebensglück scheint von der Qualität von Beziehungen, Leistungen und Gütern abzuhängen.

Aber Du must auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten! Wie leicht ist es für Dich, eine Aufgabe auszuführen oder einem Ziel nachzueifern? Wie viel Zeit und Geld musst Du dafür investieren, und was bekommst Du zurück?

Der absolutistische Umgang mit dem Begriff „des Besten“ ist unter Perfektionisten per Definition fehlerhaft. Denn Die Frage muss immer relativ gestellt werden:

  • Führt diese Aufgabe überhaupt zum gewünschten Ziel? (Wenn ich meinen Lebenslauf immer wieder umschreibe aber ihn nicht abschicke, erhöht dies wirklich meine Chancen auf ein Bewerbungsgespräch?)
  • Wie viel Zeit und Geld hat man für eine Aufgabe zur Verfügung? (Kann ich es mir leisten, noch 2 Wochen daran zu sitzen?)
  • Welche Opportunitätskosten entstehen? Was kann ich alles nicht tun, weil ich dieser Aufgabe (in perfektionistischem Detail) folge? (Wie viele Bewerbungen könnte ich zur gleichen Zeit schreiben, wenn ich nicht am Lebenslauf festhängen würde?)

Ohne solche Fragen nach der Effektivität ist der perfektionistische Anspruch ein Schuss ins Dunkle: Auf ein unklares Ziel verschwendete Lebenszeit. Vielleicht schießt man sogar mit Kanonen auf Spatzen und wendet unnötig viel Mühe auf, die man anderswo in gute Gelegenheiten investieren könnte.

Letztenendes weiß man auch nie wirklich, was denn als perfekte Qualität gilt – sehr vieles ist Geschmackssache. Selbst Dinge, von denen Leute behaupten, Qualität wäre eindeutig.

Viele „Experten“ proklamieren einfach ihre persönlichen Vorlieben als den Standard. Solche Behauptungen solltest Du prüfen, indem Du Dir mehrere Meinungen einholst!

Frau am Meer zerfällt in einem Fotoeffekt
Verschwende Dich nicht selbst!

Darum frage Dich immer selbst:

  • Wer sagt, dass etwas perfekt sein muss? Wer hat etwas davon, dass Du Deine Sache so gut wie möglich machst? Manche Menschen nutzen Bereitschaft zu Höchstleistungen aus.
  • Warum sollte dieser Anspruch tatsächlich für Dich gelten?
  • Wie viel Ressourcen (Zeit, Geld, Nerven) bist Du bereit für etwas zu geben – lohnt es sich für Dich?

Mit abgewogenem Ehrgeiz kannst Du gut durchs Leben navigieren und bei den Zielen landen, die Du selbst für wichtig hältst!

Einen Preis zahlt man für alles – sieh zu dass er sich lohnt!

Perfektionismus ist eine Verzerrung der Realität und hat hohe Opportunitätskosten

Es ist vergebene Mühe, dem Perfektionismus nachzujagen, weil er einem immer davonrennt! Selbst wenn Du sehr gut in etwas bist, gibt es immer einen, der darin besser als Du ist.

Wenn man dann eine perfektionistische Besessenheit entwickelt, wird dies zum Lebenszeit-Grab. Man lässt Gelegenheiten sausen, um dem einen Ziel nachzurennen und verbrennt seinen Treibstoff äußerst ineffektiv.

Eine schöne Uhr
Egal wie teuer: Eine Uhr zeigt die Zeit an. Ist Perfektionismus Deine Zeit und Dein Geld wert?

Wer etwa versucht, stets eine perfekt aufgeräumte und saubere Wohnung zu haben, muss dafür übers Leben gerechnet tausende Stunden opfern.

Was hätte man sonst alles mit dieser Zeit anstellen können!

Der Perfektionist macht den Fehler, seine Leistung immer nach oben zu vergleichen. „Der Nachbar hat eine viel ordentlichere Wohnung.“ Wer weiß, ob da nicht eine Haushälterin mithilft.

„Aber Usain Bolt ist ja viel schneller als ich!“. Natürlich ist er das! Dieser Rekord-Sprinter hat die perfekten Gene und trainiert als sei es seine Religion.

Kein Hobbysportler (oder Hobby-sonstetwas) kann mit einem Profi mithalten. Oder mit jemandem, der sich mit Geld jegliche Hilfen einkaufen kann, die es gibt. Doch der verdammte Perfektionismus flüstert einem ständig zu, dass man mithalten müsse.

Der Profi will und muss mit seiner Tätigkeit Geld verdienen und opfert dafür all seine Zeit und Mühe. Und jemand der schon viel Geld hat, hat einen großen Vorteil gegenüber Dir und mir.

Doch macht ihnen ihre professionelle Tätigkeit genauso viel Spaß wie Dir Dein Hobby? Und machst Du Deinen Körper genauso schnell kaputt wie mancher Spitzensportler? Ich hoffe nicht.

Verrückt: Der Perfektionist sieht nicht, was hinter den Kulissen abgeht und denkt, er wäre nicht gut genug (obwohl er meist viel erreicht). Das ist ein Fehlschluss, der viele unglücklich gemacht hat.

Es ist viel besser, wenn Du nur darauf schaust, ob Du sinnvoll mit Deinen Ressourcen umgegangen bist. Effektivität und Effizienz sind bessere Maßstäbe als Perfektheit.

Du musst kein Millionär oder Spitzensportler sein, um gut mit Deinen Kräften umzugehen!

Für Deine Arbeit musst Du auch nicht immer 100% geben. Es lohnt sich, gut in etwas zu sein, keine Frage. Auch will man hin und wieder herausragen. Aber meistens reichen 80% des Ergebnisses. Und die sind schnell erreicht, nämlich mit nur 20% des Aufwands!

Klingt bekloppt? Dann lies schnell weiter!

Das Pareto-Prinzip oder die 80/20-Regel

Das Paretoprinzip besagt, dass 80% des Ertrages von 20% des Aufwandes kommen. Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto beobachtete, dass nur wenige seine Erbsenpflanzen den Großteil der Ernte ausmachten. Er und andere Wissenschaftler übertrugen dieses Prinzip auch auf viele andere Bereiche.

Viele Beispiele unterstützen diese Annahme:

  • Viele Unternehmen gehen davon aus, dass 80% ihres Umsatzes von 20% der Kunden kommt (ebenso ein Großteil der Beschwerden von nur wenigen, „schwierigen“ Kunden)
  • 80% der Stadtbevölkerung lebt in 20% der Städte
  • 80% des Reichtums wird von 20% der Menschen besessen (mittlerweile ist es sogar noch krasser)
  • mit 20% aller Vokabeln kann man 80% aller Situationen einer Fremdsprache meistern
  • 20% Deiner Klamotten trägst Du 80% der Zeit
Eighty percent of success is showing up.
– Woody Allen

Der wichtige Aspekt des Paretoprinzips ist nicht so sehr, dass genau 80% Wirkung von 20% Ursache stammen. Manchmal ist es auch 90/10 oder 65/35 oder sogar 99/1, abhängig von der Situation. Du solltest Dir aber mitnehmen:

Aufwand und Ertrag sind nicht 1:1 verknüpft. Es ist deswegen sehr ratsam, auf die effiziente und effektive Nutzung Deiner Zeit zu achten.

Anders ausgedrückt: Perfektionismus (also das Streben nach den letzten 5%) ist extrem teuer erkauft!

Pareto-Prinzip-Kurve mit Anmerkungen zum Perfektionismus

Perfekt oder nicht – eine Frage der Draufsicht

Eine bekannte Geschichte erzählt, wie ein Vater sich freut, dass er zur Arbeit ein Pferd erhalten hat. Bald fällt sein Sohn vom Pferd und bricht sich ein Bein. Der Vater ist voller sorge und wünscht sich, das Pferd nie bekommen zu haben. Wenig später bricht ein Krieg aus und alle jungen Männer werden eingezogen. Nur der verletzte Sohn nicht. Der Vater erkennt das Glück der vergangenen Ereignisse. Doch wer weiß schon, wie es weiter geht?

Nicht nur die Zukunft ist unklar. Außerdem treffen in allen Situationen unterschiedliche Menschen aufeinander. Sie haben unterschiedliche Erwartungen, Meinungen und Absichten.

Viel Ärger kann gespart werden, wenn zwei Streitende begreifen, dass ihr Streit letztendlich eine subjektive Geschmacks- und Stilfrage ist. Eine bestimmte Musikrichtung ist nicht besser als eine andere. Sie gefällt halt nur unterschiedlichen Leuten.

Dem einen gefällt ein roter Pickup-Truck, dem anderen ein gelber französischer Oldtimer. Ob etwas gut ist, hängt neben persönlichen Vorlieben wie der Farbe immer davon ab, zu was es nutzen soll. Ein Truck kann Material transportieren, aber für den dichten Stadtverkehr ist er weniger geeignet und hat es schwer, eine Parklücke zu finden.

Blinder Perfektionismus: Hammer schlägt Schraube und Schraubschlüssel versucht Nagel zu drehen
Perfektionismus übersieht oft: Ob etwa gut oder nützlich ist, hängt immer vom Ziel ab!

Oft haben Menschen bei ihren Einschätzungen der Lage nur ihre eigenen Fragen und Ziele im Kopf. Wie das Sprichwort sagt: Wer einen Hammer hat, sieht überall Nägel.

Und für den Perfektionisten gilt: Wer überall nur Unvollkommenheits-Nägel sieht, kann den Perfektionismus-Hammer nie hinlegen.

Was Du erreicht hast, mag nicht das Maß aller Dinge sein, aber vielleicht hilft Dein Beitrag, das Leben einer Person zu verbessern. Deine Malerei oder Bastelei löst nicht den Welthunger, aber kann vielleicht Betrachter inspirieren und erfreuen.

Bist Du mit Deinem Maßstab fair zu Dir selbst?

Wenn Du den Drang verspürst, etwas zu bewerten oder Deine eigene Leistung zu verurteilen, frage Dich: Bin ich wirklich in der Lage, die Kreise zu verstehen, die diese Sache ziehen kann? Kann ich in die Zukunft sehen und kenne ich den Geschmack aller Menschen?

Wann immer Du ein Fragezeichen an den Wert Deiner Leistung stellst, seien das niedergeschriebene Gedanken, ein selbstgenähtes Kleidungsstück oder das Ergebnis eine Bastelei aus der Hobbywerkstatt: Frage Dich auch, ob es jemanden oder eine Situation geben könnte, wo Dieser Beitrag wertvoll wäre!

Dass eine solche passende Person nicht immer zur Stelle ist, ist klar. Aber um den Perfektionismus zu zügeln musst Du für Dich klar machen, dass die eigene Leistung eine potenzielle Bedeutung hat.

Viele Menschen sind nicht in der Lage, das hervorzubringen, was Du schaffst!

Auswahl und Vielfalt statt Perfektionismus

Schauen wir also mal, wie es weiter geht: Es gibt viele kleinere „Marktplätze“, wo jeder sich entsprechend den eigenen Vorlieben entfalten kann.

Flohmärkte, Vereinigungen und Freizeitveranstaltungen für alle möglichen Gruppen zeigen deutlich, dass für jedes Interesse und jede Perspektive Platz ist!

Gerade durch das Internet ist es so einfach wie nie zuvor, Menschen mit selteneren oder weniger populären Eigenschaften zu finden, mit denen man sich gut verstehen kann.

Wir haben alle unsere Gründe, warum wir so sind, wie wir sind. Schluss mit dem unsinnigen Verurteilen – schauen wir lieber auf die schönen Seiten!

Ein alter Citroen mit abgekratzten Lack
Zieht Liebhaber an: Ein Charakterauto mit Schwächen und Stärken

Die Tage, an denen Du ein niedriges Selbstbewusstsein haben musstest, weil scheinbar niemand Deine Welt teilen wollte, sind vorbei!

Lösungsfokussierung

Wenn Du nicht gerne still sitzt und tatsächlich etwas verbessern willst, dann nimm Dir die Lösungsfokussierung zu Herzen!

Probleme gibt es wie Sand am Meer. Jeder beklagt sich über etwas und wünscht sich, alles wäre einfach besser. Gehöre nicht zu dieser jammernden Personengruppe – sei statt dessen jemand, der Lösungen erschafft!

Suche nach Wegen, einer herausfordernden Situation zu begegnen. Sieh das Positive, wo andere nur das Negative erkennen können.

Das geht am einfachsten und effektivsten, wenn Du Dein gesamtes Denken nicht am Angelpunkt des Problems orientierst, sondern stets um eine mögliche Lösung kreisen lässt.

Natürlich muss ein Problem auch wahrgenommen und verstanden werden, um eine gute Lösung finden zu können. Aber verdient das Problem 80% des Nachdenkens? Wohl eher die 20%! Nutze den Löwenanteil Deiner Mühe und Deiner Brainpower für die Lösung!

Achte vor allem auch auf Wachstum: der Perfektionist ist ein Meister im Übersehen von zarten Pflänzchen, die im Wachsen begriffen sind. Er zertrampelt sie leicht mit destruktiver Kritik, Frust und Ärger darüber, dass diese noch so klein sind, und vergisst, dass sie morgen schon viel größer sein können.

Ein Feld mit unreifem Korn das noch grün ist.
Geduld und Zuversicht lassen Deine Fähigkeiten wachsen, Perfektionismus zertrampelt sie.

Bedenke: Rom wurde nicht an einem Tag gebaut – und – viele Wege führen nach Rom! Ich liebe diese beiden Sprichwörter!

Sie machen Deutlich, dass Geduld und Offenheit im Denken zu Großartigem führen. Nur Mut, und bewahre Deine positive Grundhaltung! Diese positive Haltung ist am Anfang ungewohnt, wird aber zunehmend zur neuen Natur.

Dann wirst Du zu jemandem, der mit dem Lösungs-Hammer überall nur Lösungs-Nägel sieht und zuschlägt – das ist gut! Fette Beute wartet auf Dich, wenn Du so denken lernst.

Folgende Beispiele weisen eine lösungsorientierte Haltung auf:

  • Eine Kündigung ist eine neue Gegelegenheit, glücklicher zu werden als im alten Job. Die Welt bleibt nicht stehen – Du findest eine Lösung und entwickelst Dich weiter!
  • Ein erstes Date führt nicht zum zweiten Date: Gut, dass Du so schnell herausgefunden hast, dass ihr nicht kompatibel seid!
  • Das Fahrrad/der PC/ das Auto… ist kaputt: Eine erstklassiger Anlass, zu lernen, wie Du das reparierst! Du findest heutzutage jede Anleitung auf YouTube oder anderen Webseiten.
  • Du musst nervige Familienangehörige treffen? Warum nicht versuchen, sie besser zu verstehen und sozial geschickt mit ihnen umzugehen? Vielleicht kannst Du mit neuer Offenheit euer beider Leben besser machen.
  • Ein Kunde sendet einen Haufen Waren zurück, die Du nun schwierig weiterverwerten musst? Shit happens, kein Problem, denn dafür planst Du ja Pufferzeit und Geld ein. Tust Du nicht? Dann beiß die Zähne zusammen und plane ab jetzt Reserven für Probleme ein! Lektion gelernt.
  • Anstatt Deinem Ärger über den ausgebliebenen Erfolg beim Pfunde verlieren kannst Du schnell nachsehen, welche anderen messbaren Größen Deinen Fortschritt anzeigen. Manchmal steht die Waage still, aber das Maßband hat sich verengt.
  • Eine sportliche oder berufliche Plateauphase muss durchbrochen werden? Zeit, Menschen zu suchen, die vor der gleichen Herausforderung stehen! Neue Kontakte können für Dich ein Segen sein und Dir viele neue Perspektiven bieten.
  • Krankgeschrieben sein bedeutet Freizeit zum erholen, Planen und Gedanken ordnen
  • … Du findest noch viel mehr. Dein Leben hat viel Gutes zu bieten, wenn Du nur hinschaust!

 

Das Muster der Lösungsfokussierung ist simpel: Aus jeder noch so schweren Situation gibt es für Dich etwas zu lernen oder mitzunehmen. Ausnahmen gibt es dabei eigentlich nicht.

Zwar sind Tod, Verlust und persönliche Katastrophen keine angenehmen Lehrmeister. Aber diese Erfahrungen helfen Dir, zu einem ganzheitlicheren Verständnis des Lebens zu kommen und die guten Momente noch mehr zu schätzen.

Du entwickelst Dich weiter und lebst bewusster, wenn Du durchmachst, was jeder Mensch früher oder später erfahren muss. Dann kannst Du anderen in dieser Situation beistehen.

All diese Momente machen menschliches Leben aus. Ein selbstbewusster Mensch ist mit der Imperfektion gut vertraut und erkennt ihren Sinn.

Liste

Ich möchte Dir nochmal die wesentlichen handlungsfähigen Punkte des Artikels zusammenfassen und praktische Anregungen geben.

Mit folgenden Gedanken kannst Du den Perfektionismus loslassen:

  1. Perfektionismus ist Gift, Lösungsfokussierung ist das Gegenmittel. Schau nach einer Lösung zum Problem. So befreist Du Dich von negativen Gedanken und Gefühlen und findest eine offene Tür, die es immer gibt.
  2. Auch wenn eine Lösung auf den ersten Blick nicht die beste zu sein scheint: Mit der Zeit und Zuversicht wirst Du erkennen, dass Dinge perfekt sein können, ohne perfekt zu sein!
  3. Vergiss nicht, dass alles erst wachsen muss. Kein Meister ist vom Himmel gefallen.
  4. Immer wenn Dich etwas trifft, verunsichert oder an Deinen Fähigkeiten zweifeln lässt, stelle Dir eine sehr heilsame Frage: Was, wenn diese Begebenheit ein Geschenk ist? (Worin liegt ein Vorteil, was kannst Du lernen, Welche einzigartige Erfahrung durftest Du dabei machen…?
  5. Erfolg bedeutet, Zufriedenheit, Freude und Glück zu erzeugen – für Dich und für andere. Dazu musst Du nicht perfekt sein. Oft genug steht der Perfektionismus diesen Zielen sogar im Weg.
  6. Jeder Moment mit Dir ist einzigartig! Dein Beitrag in unserer Welt kann von niemandem kopiert oder wiederholt werden. Wer immer in den Genuss Deiner Leistung gekommen ist, kann sich glücklich schätzen!
  7. Habe Mut zu Deiner einzigartigen Lücke! Sie gefällt (nicht allen aber) vielen Menschen! Steht zu Dir, wenn es sonst keiner tut.
  8. Denn nur weil irgendein Mensch Dir sagt, dass er einen Apfel will, wenn Du statt dessen einen Pfirsich hast, bedeutet das nicht, dass Dein Pfirsich schlecht ist! Vergiss nicht, dass Du es nicht jedem recht machen kannst und finde statt dessen Deine Zielgruppe.
  9. Jede gute Geschichte braucht einen Konflikt. Spannung entsteht aus Ungewissheit und Herausforderung. Perfektheit ist langweilig.
  10. Sei nicht länger Dein härtester Kritiker. Viele trauen sich nicht für etwas zu kämpfen und urteilen nur von den Zuschauerrängen herab. Du stehst in der Arena und das ist anstrengend genug.
  11. Vergib Dir Deine „Fehler“. Du hast sie bereits mit der schweren Erfahrung bezahlt. Freue Dich nun an dem, was Du daraus gelernt hast und sei stolz über die durchgestandenen Schmerzen.
  12. Egal wessen perfektionistische Erwartungen Du angeblich enttäuscht haben solltest (Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, der schimpfende Nachbar): Du schuldest ihnen nichts, was nicht vertraglich festgehalten ist: Du musst Dein Leben so leben, dass es für Dich passt und geltendes Recht einhalten. Das ist alles.

Bonusgeschichte:

Von einem Töpferlehrer hörte ich, dass er seine Schüler einmal in zwei Gruppen unterteilte, um ihnen deutlich zu machen, wie unnütz Perfektionismus ist. Er sagte der ersten Gruppe: „Ihr müsst mir am Ende des Kurses euren besten Krug zeigen – nur dieser wird auf Grund seiner Qualität bewertet!“ Zu der zweiten Gruppe sagt er: „Ihr müsst mir am Ende so viele Krüge wie möglich präsentieren. Nur die Menge wird benotet.“

Mehrere schöne Tonkrüge
Durch Übung wird einer schöner als der andere

Die erste Gruppe legte sofort los, zu studieren, zu planen und zu hinterfragen, welche Technik die beste sei. Sie wollte nichts falsch machen, denn der Krug muss perfekt werden! Die zweite Gruppe griff sich sofort den nächsten Klumpen Ton und begann zu arbeiten. Je mehr Ton verformt wurde, desto besser!

Als der Kurs zu Ende war, schaute sich der Meister die Ergebnisse beider Gruppen an: Zur Überraschung aller, aber nicht des Meisters, waren die Krüge der Mengen-Gruppe viel besser als die der Perfekt-Gruppe!

Was die Lehrlinge daran erkennen sollten: Wiederholung und Übung ohne Rücksicht auf Fehler macht am Ende viel mehr aus als das Streben nach dem perfekten Ergebnis, das die Schüler hemmte und belastete.

Wenn Du keine Angst vor Fehlern hast und Dich immer wieder an Deine Aufgaben wagst, wird Dein Ergebnis komischerweise viel besser!

Fazit

Perfektionismus bremst Dich und macht Dich unglücklich. Strebe danach, stets besser zu sein als Du gestern warst, im Selbst-Bewusstsein, dass Du dies für Dich tust und niemandem etwas schuldest. Sei Dein größter Unterstützer. Vertraue darauf, dass Anfangen bedeutsamer ist als hin-und-her zu planen. Gib Dir dabei auch Raum für Wachstum und Fehler – sie sind natürlich und helfen Dir, besser zu werden! Verliere nie die Lösung aus dem Blick. Auch wenn Du gerade keine siehst, ist sie da draußen!

Was würdest Du gerne anfangen, aber traust Dich nicht, weil Du glaubst es wäre nicht gut genug?

 

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