Deine Mission – So bekommst Du Feuer unter dem Hintern

Ziele sind sinnstiftend und leiten Dich

Wer selbstbewusster werden will, muss sich früher oder später einmal fragen: Warum eigentlich? Es gibt viele mögliche Gründe, aber wenn Dir keiner davon etwas bedeutet, ist es unmöglich, Fortschritte zu machen. Entdeckst Du hingegen nur einen persönlich bedeutsamen Grund, ein Ziel zu erreichen, wird es leicht.

Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

– Friedrich Nietzsche

Ein besseres Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein sind zwar für sich genommen schon erstrebenswert, weil sie Dein Leben erfolgreich und angenehm machen. Doch noch mehr Antrieb kannst Du gewinnen, wenn Deine Entwicklung einer Sache dient, die größer ist als Du selbst.

Hier ist ein Beispiel aus der Geschichte: Der Arzt und Psychiater Viktor Frankl war zur Zeit des zweiten Weltkrieges ein Gefangener im Konzentrationslager. In seinem Buch „Trotzdem ja zum Leben sagen“ schildert er sehr spannend, was ihn durch diese schwere Zeit gebracht hat. Obwohl seine Frau und Familie im KZ ermordet wurden, hatte er die innere Überzeugung, dass er durchhalten muss. Denn er verspürte einen Sinn darin, im Lager anderen eine Stütze zu sein und wollte später unbedingt seine Ideen für eine Psychotherapie umsetzen. Dies gelang ihm. Seine Logotherapie hat als zentrales Element die Sinnsuche und Notwendigkeit, Bedeutung im Leben zu finden. Für Frankl dreht sich alles darum. Es ist der Sinn gewesen, den Gefangene in ihrem leidvollen Leben finden konnten, der sie lebendig hielt und sie durchhalten ließ. Andere gaben auf oder wurden zu Tieren, wie er eindrücklich beschreibt.

Hast Du selbst schonmal den Unterschied bemerkt, den es macht, wenn man sich für eine Aufgabe so richtig ins Zeug legen will, weil man damit eine wichtige Mission verknüpft, ein Ziel verfolgt?

Motivation gibt Dir Flügel

Im Alltag ist uns allen Motivation ein Begriff. Wir hören „Du brauchst Motivation, dann geht alles wie von selbst!“. Daran besteht kein Zweifel. Aber woher kommt sie, wenn man sie noch nicht hat? Lass es mich erklären:

Motivation, also das subjektive Gefühl, eine Aufgabe dringend und vielleicht sogar gerne erledigen zu wollen, entsteht im Kopf. Wenn das Gehirn feststellt, dass ein spezielles Ziel ein wichtiges Bedürfnis befriedigt, dann wird es dafür das Motivationssystem in Gang setzen. So steuert das Gehirn die Handlungen eines Jeden.

Wenn wir hungrig sind, steigt unsere Motivation, etwas zu essen zu finden. Bei Langeweile steigt die Motivation, uns abzulenken und Unterhaltung zu finden. Mit einem gebrochenen Bein sinkt unsere Risikobereitschaft während der Heilungsphase. Ich könnte diese Liste ewig weiterführen.

Wichtig ist: Motivation ist etwas ganz normales und passiert weitestgehend automatisch durch die „Berechnungen“ des Gehirns darüber, welche Tätigkeit welches Bedürfnis effektiv befriedigen könnte. Hat das Gehirn einmal eine Handlung identifiziert, zum Beispiel beschränkte Kalorienzunahme, für das Ziel, Fett zu verlieren, fallen plötzlich alle Dinge mit Leichtigkeit an ihren Platz: Sport treiben macht auf einmal Spaß, über Ernährung zu lernen ist interessant und gesünder und schöner zu werden ist ein eigenes wichtiges Ziel geworden.

Schriftsteller und Maler brauchen viel Ausdauer, die nur durch Motivation möglich ist

Sich zu motivieren ist eine Fähigkeit

Wenn das alles so leicht ist, fragst Du Dich bestimmt, wie Du denn diese Motivations-Kraft aktivieren kannst?

Zugegeben, ganz ohne Arbeit geht es nicht: Du musst nämlich nachdenken. Ja richtig, wir sind noch nicht bei der eigentlichen Arbeit angelangt! Die Motivation entspringt allein aus gedanklichen Vorgängen. Wenn Du also dem Beispiel folgen möchtest und zum Abnehmen motiviert sein möchtest, würdest Du

  • darüber nachdenken, was Dir selbst gefällt, und über die Vor- und Nachteile von verschiedenen Körperformen.
  • Wenn Du dann noch erkennst, dass jeder Mensch permanent mit seinem Aussehen ein Statement abgibt, darüber wofür er steht und kämpft, und wie erfolgreich er dabei ist, bist du der Motivation schon einen großen Schritt näher.
  • Kommt dann noch ein wenig Sachwissen über Sport und Ernährung hinzu, ist ein weiterer Schritt getan.
  • Sehr effektiv für die Motivation sind dann noch die Erfolgsberichte anderer Menschen. Wenn Du nachschaust und erkennst, dass Menschen wie Du und ich große Erfolge erreicht haben und dafür keinen Marathon laufen mussten, und wenn offensichtlich wird, wie viel schöner jeder Mensch aussieht, der aktiv ist und mit sich selbst im Reinen, dann kannst Du Dich über eine Riesenportion Motivation freuen.

So ähnlich kann von Dir jeder Motivationsprozess angeregt werden:

  • Nachdenken über Vorteile und Nutzen einer Zielerreichung
  • Kosten
  • Umsetzungsmöglichkeiten
  • Abklopfen der Erfolgswahrscheinlichkeit

Nicht jedes Ziel ist korrekt mit Motivation verknüpft

Weil der Mensch nicht perfekt ist, sind beim Motivationsprozess auch Fehler möglich. Man kann zum Beispiel bei Wassermangel Appetit verspüren, weil der Körper auf egal welche Weise Wasser aufnehmen will. Oder aus Angst vor Versagen entscheidet sich jemand, die körperliche und geistige Mühe des Fit-werdens doch nicht zu versuchen.

So schützt die Person zwar kurzfristig ihr Selbstwertgefühl, langfristig leidet dieses jedoch durch verpasste Gelegenheiten, die Rückbildung von Fähigkeiten und dem Verlust von Selbstvertrauen.

Außerdem wird Angst stärker, wenn man sie nicht konfrontiert sondern ihr folgt. Denn dann kann das Gehirn keine entschärfenden Erfahrungen machen, dass die gefürchtete Sache (Sport und Abnehmen z.B.) doch nicht so schlimm ist.

Manche psychischen Störungen können auch dazu führen, dass das Motivationssystem im Gehirn nicht mehr richtig funktioniert. Dazu zählt z.B. die Depression. Ein Mensch, der an einer Depression leidet, verspürt einen stark eingeschränkten Antrieb, Dinge zu tun die früher einmal Spaß gemacht haben oder die im Alltag notwendig sind. Das kann etwa Körperpflege, Pflege sozialer Kontakte oder auch die eigenen Hobbys betreffen. In einem solchen Fall ist es besonders schwer, die Dinge anzupacken, die bei einer Depression helfen, wie z.B. körperliche Aktivität, Gespräche mit Freunden und gezielte Problemlösung.

Wenn Die Motivation ausgeht – Willenskraft

Es ist außerdem normal, dass die Motivation einen nicht ewig trägt, sondern früher oder später geringer wird. Das Gehirn scheint nach den Wissenschaftlern Kurzban und Kollegen (2013) ständig Opportunitätskosten zu berechnen, also Dinge zu beachten, die man statt der aktuellen Tätigkeit tuen könnte. Diese Neugier ist sicher vorteilhaft für unsere Erkundungen in der Welt.

Wenn wir uns allerdings mal einer Sache ganz gezielt widmen wollen, passiert etwas Unglückliches: Der Körper empfindet oft eine ausdauernde einseitige Betätigung nach einiger Zeit als Müdigkeit oder Langeweile. Das soll der Hinweis deines Gehirns sein, Dich auch nach anderen Wegen und Zielen umzuschauen, die vielleicht lohnenswerter sind.

Wenn also Deine Motivation nachzulassen scheint, ist dies eine Erinnerung für zwei Dinge:

  1. Nochmal das Ziel zu hinterfragen und zu durchdenken – gibt es bessere Wege oder bessere Ziele?
  2. Auf den Motor der Disziplin umschalten.

Die Disziplin, auch Willenskraft genannt, ist ein weiteres Wundermittel, dass Dich weit bringen kann. Sie fühlt sich allerdings oft sehr viel anstrengender an, als bloß freudig der Motivation zu folgen.

Sieh es so: Die Motivation ist wie die Ausrüstung beim Bergsteigen. Wenn diese gut ist, wird das die Vorfreude und sicher auch das Erleben des Bergsteigers positiv beeinflussen. Aber der Berg besteigt sich nicht von selbst. Der Kletterer muss dann immer noch seine Muskelkraft aufwenden. So ist es mit der Disziplin. Sie ist der eigentliche Königsweg und wird lediglich durch Motivation unterstützt.

Ein Mann hat einen Berg bestiegen und blickt in die Ferne
Ohne Disziplin kein Erfolg

Das Ziel im Auge behalten

Letzlich wird Dir im Leben nichts geschenkt. Alles was sich lohnt, zu haben, zu erleben oder zu sein, ist anstrengend und kostet Dich Zeit, Blut, Schweiß und Tränen. Nicht immer ist es sinnvoll, einfach mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, wenn man Widerstände verspürt. Wenn sich alles in Dir sträubt, weiterzumachen, ist es Zeit, Dir Deiner Selbst wieder neu bewusst zu werden.

Um Dein Ziel zu hinterfragen kannst Du folgendes tun:

  • Führe bewusst „Kosten-Nutzen“-Überlegungen durch bei Zielen, die Du eigentlich anpacken willst, wofür Dir aber bisher die Disziplin fehlte
  • Ist die Belohnung es wert? Was hast Du bereits erreicht?
  • Wo kannst Du das nötige Sachwissen finden?
  • Was sagen andere, die die Aufgabe bereits angepackt haben? Suche Erfolgsberichte, um Dich zu motivieren.
  • Spielt Angst vor dem Versagen eine Rolle? Diese tarnt sich oft gut als eine Rationalisierung von Nachteilen – sei Dir dessen bewusst bei Deiner Kosten-Nutzen-Analyse: Angst will einem manchmal vorgaukeln, dass etwas eigentlich Tolles die Mühe nicht wert sei.
  • Prüfe auch, ob Dein Selbstvertrauen womöglich zu gering ist und Dich ebenfalls unnötig zum Aufgeben zu bewegen scheint
  • Bedenke: Selbstbewusstsein wird durch Motivation angeheizt. Motivation = Sinn * Erfolgswahrscheinlichkeit

Stellt sich ein Ziel trotzdem als wünschenswert heraus, kann die Disziplin Dich weiterbringen. Sie hängt auch mit Deinem Selbstbewusstsein zusammen.

Um Deine Disziplin zu stärken kannst Du folgendes tun:

  • Baue gute Gewohnheiten auf, indem Du ein Ziel jeden Tag angehst. Wenn nötig in winzigen Schritten. Hauptsache Du beschäftigst Dich täglich damit. Dies verringert den Widerstand und gewöhnt Dich an die Aufgabe.
  • Zum Gewohnheitsaufbau gibt es verschiedene einfache oder komplexe Apps, die Dir dabei helfen können.
  • Auch eine Exceltabelle ist hilfreich, um Fortschritte festzuhalten und zu konsolidieren.
  • Gehe Verpflichtungen ein, indem Du Freunden von Deinem Vorhaben erzählst. Dies wird Dich unter einen gewissen Druck setzen, denn Du willst ja kein Image als Schwätzer etablieren, wenn Du nicht genug tust.
  • Vermeide Situationen oder Hinweisreize, die Dich von Deinem Ziel wegführen. Habe keine Süßigkeiten im Haus, wenn Du keine essen willst, habe kein TV-Abo, wenn Du weniger Fernsehen willst, habe keine ablenkenden Apps auf dem Handy, wenn du produktiver werden willst.
  • Führe ein Belohnungssystem für Dich selbst ein und halte Dich daran, weil Du den Sinn dahinter würdigst
  • Ziehe Selbstbewusstsein aus Deiner Disziplin. Durchhaltevermögen ist eine sehr wichtige Fähigkeit.

Deine Ziele geben Dir Kraft und stärken Dein Selbstbewusstsein. Investiere in Ziele, die Dir am Herzen liegen und bewege damit die Welt ein kleines bisschen.

 

Literatur
Kurzban, R., Duckworth, A., Kable, J. W., & Myers, J. (2013). An opportunity cost model of subjective effort and task performance. Behavioral and Brain Sciences, 36(06), 661-679.

 

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